Wechsel der Gewinnermittlungsart (EÜR zur Bilanz)

 

Bestimmte Unternehmen können eine vereinfachte Buchführung – die Einnahmenüberschussrechnung (EÜR) – durchführen. Das sind Einzelunternehmen und GbRs, die einen Gewinn von weniger als 60.000 € und einen Umsatz von weniger als 600.000 € haben.
Wird einer der Werte überschritten, ist ein Wechsel der Gewinnermittlungsart notwendig.
Dieser Wechsel kann auch freiwillig erfolgen.

 

Achtung: Der freiwillige Wechsel ist in manchen - aber nur wenigen - Fällen sinnvoll. Hier muss immer beachtet werden, dass die Erstellung der Bilanz und auch die laufende Buchführung dann aufwendiger und damit teurer werden. Hierbei darf der Blick nicht ausschließlich auf die Steuer gerichtet werden, sondern auch auf die betriebswirtschaftlichen Auswirkungen.
(Ein Steuerberater, der zum freiwilligen Wechsel rät, sollte Ihnen genau erklären, warum der Wechsel für Sie – langfristig – sinnvoll ist.)

 

Wie erfolgt der Wechsel?

Es ist eine Fortsetzungseröffnungsbilanz zu erstellen.
Die Fortsetzungseröffnungsbilanz ist eine ganz normale Eröffnungsbilanz. In der Bilanz werden die einzelnen Bilanzposten so angesetzt, als hätte das Unternehmen schon immer bilanziert.

Hinweis: Ansatz und Bewertungswahlrechte gelten als noch nicht ausgeübt H4.6 (Bewertung von Wirtschaftsgütern) EStH.

 

Bei der Wertermittlung der einzelnen Bilanzposten, stellt man sich immer die Fragen:

 

1. Hat sich der zu bildende Bilanzposten vorher in der EÜR schon erfolgswirksam ausgewirkt?
2. Wie wird er sich zukünftig auswirken?  
3. Wie soll er sich (aktuell) auswirken?

 

Der sich daraus ergebene Gewinn oder Verlust, wird dem laufenden Gewinn des ersten Jahres der Umstellung hinzugerechnet.

 

Erfolgt die Umstellung nicht freiwillig, kann dieser Übergangsgewinn auch:

     

      Auf das Jahr der Umstellung und dem Folgejahr

 

oder
 

      auf das Jahr der Umstellung und den beiden Folgejahren   

 

      gleichmäßig aufgeteilt werden.

 

Für die gleichmäßige Aufteilung ist ein Antrag bei Finanzamt notwendig R4.6 (1) S.4 EStR.

 

Wichtiger Hinweis

Der Wechsel der Gewinnermittlungsart auf eine andere, ist eine Aufgabe für Profis. Es sind weitreichende handelsrechtliche und steuerliche Kenntnisse notwendig. Fehler können enorm teuer werden und haben schon so manches Unternehmen ruiniert.  

 

Wissenswertes für Profis

  1. Nicht abnutzbare Wirtschftsgüter des Anlagevermögens und Wirtschaftsgüter nach § 4 (3) S.4 EStG des Umlaufvermögens müssen in Eröffnungsbilanz mit dem Wert nach § 4 (3) S.5 EStG angesetzt werden R4.6 (1) S.6 EStR.
  2. Anlage 1 EStR zeigt wie Warenstände, sonstige Forderungen, usw. behandelt werden.
  3. Die Hinzurechnung des Übergangsgewinns erfolgt außerbilanziell.

 

 

Alle folgenden Ausführungen müssen immer individuell bei jedem Unternehmen geprüft werden. Es kann deshalb sein, dass bei bestimmten Unternehmen und Vorgängen andere Ergebnisse erzielt werden.

 

Ansatz Aktiva

  1. Grund und Boden des Anlagevermögens:
    Der Ansatz erfolgt genauso wie in der Einnahmenüberschussrechnung. Deshalb ist typischerweise keine Hinzurechnung oder Kürzung notwendig. Also entsteht kein Übergangsgewinn oder Verlust.

 

  1. Gebäude des Anlagevermögens: Auch hier ist der Ansatz in der EÜR genauso wie in der Bilanz. Deshalb erfolgt auch hier keine Hinzurechnung oder Kürzung und damit kein Übergangsgewinn.

Achtung Wahlrecht: Ist der Teilwert zum und und vor dem Zeitpunkt des Wechsels gesunken, war eine Teilwertabschreibung bei der Einnahmenüberschussrechnung nicht möglich. Bei der Bilanzierung wirkt sich diese Teilwertabschreibung aber aus (§§ 6(1)Nr.2S.2 i.V.m. Nr.1S.2+S.3, 6(1), 6(7)EstG. Damit entsteht eine Kürzung – also ein Verlust.

 

  1. Warenbestand gehören zum Umlaufvermögen und waren bei der EÜR sofort als Betriebsausgaben abziehbar. In der Bilanz sind diese aber noch nicht abziehbar. Deshalb erfolgt eine Hinzurechnung – also ein Gewinn.

 

  1. Gewährte Darlehen: Keine Hinzurechnung oder Kürzung. Also kein Gewinn oder Verlust.

 

  1. Forderungen: Sind einschließlich der Umsatzsteuer zu berücksichtigen, da die USt bei der EÜR eine Betriebsausgabe war und sich erst mit Zufluss auswirkt § 11(1)S.1 EStG.
    Deshalb sind die Forderungen hinzuzurechnen. Also entsteht ein Gewinn.
    Achtung: Die Umsatzsteuer, die noch nicht an das Finanzamt abgeführt wurde (z. B. aus Leistungen des Dezembers), sind zu passivieren § 6(1)Nr.3 i.V.m. Nr.2 S.1 EStG!

 

  1. Umsatzsteuerforderung: Sind hinzuzurechnen. Also entsteht ein Gewinn.

 

  1. Aktiver Rechnungsabgrenzungsposten: Sind hinzuzurechnen. Also entsteht ein Gewinn.
    Achtung: 10 Tage Regel beachten, da diese sowieso wie aRAP behandelt werden würden.

 

  1. Bank / Kasse: Keine Änderungen. Also keine Gewinnauswirkung.

 

  1. Disagio (marktüblich): Sind bei der EÜR sofort als Betriebsausgaben abziehbar gewesen. Bei Bilanzieren muss aber ein aktiver Rechnungsabgrenzungsposten gebildet werden § 5 (5) S.1 Nr.1 EStG. Deshalb ist diese Betriebsausgabe wieder anteilig hinzurechnen. Also entsteht ein Gewinn.

 

Ansatz Passiva

  1. Eigenkapital: Keine Hinzurechnung oder Kürzung, da dieses nur die Differenz aus       Aktiva und Passiva darstellen. Also kein Gewinn oder Verlust.

 

  1. Hypothek: Keine Hinzurechnung oder Kürzung. Also kein Gewinn oder Verlust.
    Achtung: Eventuell ist Abzinsung mit 5,5%, wenn keine Verzinsung vorgesehen ist.

 

  1. Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen (§ 6(1) Nr. 3 EStG): Sind zu kürzen. Also entsteht ein Verlust.

 

  1. Verbindlichkeiten Lohnsteuer: Bei der EÜR wirkt sich das erst mit Bezahlung aus § 11(2) EStG. Deshalb erfolgt jetzt eine Kürzung. Also entsteht ein Verlust.

 

  1. 10 Tage Regel Verbindlichkeiten (z. B. für Miete) für wiederkehrende Ausgaben: Sind zu passivieren, auch wenn innerhalb von 10 Tagen bezahlt wurde (§ 6(1)Nr.3 + Nr.2 S.1 EStG). Damit ist zu kürzen und es entsteht ein Verlust.            

 

  1. USt-Zahllast: Ist zu passivieren. Damit entsteht ein Verlust.

 

  1. Passiver Rechnungsabgrenzungsposten: Es ist zu kürzen. Also entsteht ein Verlust.
    Ausnahme: Wie bei aktiven Rechnungsabgrenzungsposten.

 

  1. Darlehen: Keine Hinzurechnung oder Kürzung: Also kein Gewinn oder Verlust.

 

Hinweis: Für Fehler im Lexikon wird keine Haftung übernommen.

Stand: 28.11.2017

 

 

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