Minijob

 

Minijob sind eine beliebte und einfache Möglichkeit nebenbei ein bisschen Geld dazuzuverdienen. Steuerlich betrachtet ist der Minijob allerdings gar nicht so einfach zu behandeln.

 

Was ist ein Minijob?

Bei einem Minijob dürfen regelmäßig nicht mehr als 450 € pro Monat verdienst werden. Regelmäßig bedeutet, dass es in Ausnahmefällen durchaus möglich ist, diesen Wert zu überschreiten.
 

Wie viel Stunden pro Monat gearbeitet wird, ist nicht festgelegt. Allerdings gilt für Minijob ebenfalls der Mindestlohn von 8,84 € (Stand 2017). Für alle Branchen, die den Mindestlohn in dieser Höhe zahlen müssen, ist es deshalb nur möglich, einen Minijobber 50,9 Stunden pro Monat zu beschäftigen.

 

Achtung: Wird ein Minijobber mehr als 50,9 Stunden beschäftigt, liegt ein Verstoß gegen den Mindestlohn vor. Die Folge ist, dass die mehrgearbeiteten Stunden bezahlt werden müssen und damit insgesamt kein Minijob mehr vorliegt.

 

Wie viel Steuern und Sozialabgaben sind zu bezahlen?

Die Höhe der Steuern und Sozialabgaben ändert sich fast jährlich. Insgesamt wird aber eine etwa gleich immer gleich hohe Steuer und Sozialabgabe gezahlt.
Anders als bei einem „normalen Job“, zahlt bei einem Minijob meistens nur der Arbeitgeber die Steuern und Sozialversicherungsbeiträge. Deshalb ist es möglich, dass bei einem Bruttolohn von 450 €, ein Nettogehalt von ebenfalls 450 € erzielt wird.

 

Abgabeart

Prozent

Betrag bei 450 €

Krankenversicherung

13 %

58,50 €

Rentenversicherung

18,7 %

84,15 €

Umlage 1

0,90 %

4,05 €

Umlage 2

0,30 %

1,35 €

Insolvenzumlage

0,09 %

0,41 €

Pauschale Steuer

2 %

9,00 €

gesamt

34,99 %

157,46 €

Stand 2017

 

Rentenversicherungsbeiträge

Bei einem Minijob zahlt der Arbeitnehmer auch in die Rentenversicherung ein. Bei 450 € sind das 16,65 €, die vom Nettogehalt abgezogen werden. Der Arbeitnehmer erhält dann also nur 433,35 € ausgezahlt. Dadurch entstehen Rentenpunkte und der Rentenanspruch erhöht sich.

 

Minijobber können sich von der Rentenzahlungspflicht befreien lassen. Das geht aber nur für den Anteil der Rentenbeiträge, die der Arbeitnehmer bezahlt. Der Arbeitgeber muss weiterhin Rentenversicherungsbeiträge zahlen.

 

Pauschale Steuer

Die Pauschale Steuer von 2 % zahlt der Arbeitgeber allein. Die oft praktizierte Methode diesen Betrag von dem Nettogehalt des Minijobbers abzuziehen ist nicht zulässig.

Allerdings kann der Arbeitgeber ganz auf die Besteuerung durch diese pauschale Steuer verzichten und den Job vollständig steuerpflichtig über die Lohnsteuermerkmale (früher Lohnsteuerkarte) abrechnen. Hier ist zu prüfen, ob sich dadurch Vor- oder Nachteile ergeben.

 

Nachteil für den Minijobber

Hat der Minijobber noch einen anderen Arbeitsplatz und muss Steuern zahlen, wird der Minijob mit dem persönlichen Steuersatz in der Einkommensteuererklärung belegt. Der Eingangssteuersatz liegt aktuell bei 14 %. In so einem Fall muss der Minijobber also über 63 € Steuern pro Monat (im Jahr über 756 €) Steuern für diesen Job zahlen.
Beachte: Bei der pauschalen Besteuerung zahlt der Arbeitgeber hingegen nur 9 € (108 € pro Jahr). 

 

Auch ein Nachteil haben verheiratete, die eine Zusammenveranlagung nutzen wollen. Hat der Ehepartner einen normalen Job, wirkt sich bei der Zusammenveranlagung der Minijob steuerlich negativ aus.

 

Beispiel: Der Ehemann verdient 2500 € pro Monat. Die Ehefrau hat keine Einkünfte. (Sonderausgaben und außergewöhnliche Belastungen werden vernachlässigt)

 

In 2017 hat der Ehemann 30.000 € zu versteuern. Es wird die Zusammenveranlagung gewählt.
Es sind dadurch Einkommensteuern von ca. 430 € pro Jahr zu zahlen.

 

Ab dem 1.1.2017 hat die Ehefrau einen Minijob für 450 €, der nicht pauschal besteuert wird.

 

Die Einkommensteuer für 2017 liegt dadurch bei 980 €. Es sind also durch den Minijob 530 € mehr Einkommensteuern für das Jahr 2017 zu zahlen. Das sind 422 € (530 € - 108 €) mehr als der Arbeitgeber gezahlt hätte, wenn die pauschale Besteuerung gewählt worden wäre.

 

Neutral für den Minijobber und Vorteil für den Arbeitgeber

Zahlt der Arbeitnehmer aber keine Einkommensteuern, z. B. weil das Jahreseinkommen so gering oder hohe Werbungskosten, Sonderausgaben oder außergewöhnliche Belastungen vorhanden sind, wird keine Einkommensteuer fällig. In so einem Fall ist es günstiger, wenn der Arbeitgeber auf die Besteuerung verzichtet.

 

Beispiel: Der Arbeitnehmer hat einen Job und bekommt 1.200 € brutto (14.400 € brutto). Werbungskosten und Sonderausgaben sind in Höhe von 11.000 € im gesamten Jahr entstehen.

 

Es fällt keine Einkommensteuer an, weil nach Abzug der Werbungskosten und Sonderausgaben das zu versteuernde Einkommen unter dem Grundfreibetrag (8.820 €) liegt.

 

Wird zusätzlich ein Minijob ausgeführt, erhöhte sich das Einkommen von 14.400 € auf 19.000 €. Nach Abzug der Werbungskosten und Sonderausgaben (11.000 €) liegt das zu versteuerndes Einkommen bei 8.000 € und es fallen immer noch keine Einkommensteuern an.

 

Mehrere Minijobs

Es ist möglich mehrere Minijobs gleichzeitig zu haben. Allerdings darf das gesamte Einkommen aus den Minijobs nicht über 450 € pro Monat liegen. Es werden also alle Minijobs zusammengerechnet.
Dieser Vorgang ist äußerst kompliziert. Denn schließlich muss jeder Arbeitgeber des Minijobbers darauf achten, dass der Betrag nicht überschritten wird. Wenn dass passiert, liegt nämlich ein normaler Job vor. 

 

Minijob im Vergleich zu einem „normalen Job“

Bei einem Minijob sind durch die Pauschalen die Abgaben zwar etwas geringer, aber es wird auch nicht in die Krankenversicherung und Arbeitslosenversicherung eingezahlt, sodass kein Anspruch entsteht. Die pauschalen Beträge sorgen nämlich nicht dafür, dass ein Anspruch entsteht.
Wir ein Minijobber arbeitslos oder krank, erhält er auch keine Leistung aus der Versicherung.

 

Achtung bei Krankheit: Minijobber sind wie normale Arbeitnehmer weiterzubezahlen, wenn sie krank werden. Die Lohnfortzahlungspflicht durch den Arbeitgeber in den ersten 6 Wochen der Krankheit besteht auch für Minijobber.

 

Urlaub: Auch ein Minijobber hat Anspruch auf bezahlten Urlaub. Der Urlaubsanspruch liegt bei mindestens 20 Tagen pro Jahr, wenn ein Arbeitnehmer 5 Tage die Woche arbeitet. Es spielt dabei keine Rolle, dass der Minijobber weniger Stunden pro Tag arbeitet.
Arbeitet der Minijobber weniger als 5 Tage pro Woche, wir der Mindesurlaubsanspruch gekürzt.

Bei 4 Arbeitstagen pro Woche = 16 Tage Urlaub pro Jahr

Bei 3 Arbeitstagen pro Woche = 12 Tage Urlaub pro Jahr

Bei 2 Arbeitstagen pro Woche = 8 Tage Urlaub pro Jahr

Bei 1 Arbeitstagen pro Woche = 4 Tage Urlaub pro Jahr

 

Minijob in der Steuererklärung angeben

Wird ein Minijob pauschal besteuert, wird dieser nicht in der Einkommensteuererklärung angegeben. Wird der Minijob über die Lohnsteuermerkmale (früher Lohnsteuerkarte) abgerechnet, muss er in der Steuererklärung angegeben werden.


Personen, die einen Minijob neben einem normalen steuerpflichtigen Job ausüben, müssen deshalb fast immer auch eine Einkommensteuererklärung abgeben.

 

 

Stand: 27.11.2017

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