Lohnsteuerjahresausgleich

Der Begriff Lohnsteuerjahresausgleich gehört zu den häufigsten Steuerirrtümern im Steuerrecht. Fast immer ist nämlich nicht der Lohnsteuerjahresausgleich gemeint, sondern die Einkommensteuererklärung, die ein Arbeitnehmer erstellt oder erstellen lässt.

Früher würde die freiwillige Abgabe der Einkommensteuererklärung durch Arbeitnehmer tatsächlich Lohnsteuerjahresausgleich genannt.

 

Der richtige Lohnsteuerjahresausgleich

Der Lohnsteuerjahresausgleich ist ein Vorgang, den der Arbeitgeber durchführt. Diese Pflicht hat jeder Arbeitgeber, der mehr als 10 Mitarbeiter beschäftigt. Der Lohnsteuerjahresausgleich wird meisten im laufenden Jahr – im Dezember durchgeführt. Spätestens bis zum Februar des Folgejahres muss der Lohnsteuerjahresausgleich vorgenommen werden.

 

So funktioniert der Lohnsteuerjahresausgleich

Es gibt mehrere Gründe, warum ein Lohnsteuerjahresausgleich durchgeführt werden muss. Z.B. wenn innerhalb eines Jahres eine Gehaltsveränderung für einen Arbeitnehmer stattgefunden hat, stimmt die abgeführte Lohnsteuer nicht mit der richtigen Höhe überein.
Die Lohnsteuer wird vom Arbeitgeber nämlich monatlich berechnet – und zwar immer so – als würde der Monatslohn in dieser Höhe das gesamte Jahr gleich hoch sein.

 

Beispiel: Der Arbeitnehmer bekommt einen Monatslohn von 2.000 €. Ab Oktober erhält der Arbeitnehmer eine Gehaltserhöhung von 1.000 € - somit 3.000 €.

 

Für Januar bis September entsteht monatlich eine Lohnsteuer von ca. 190 €. Der Arbeitgeber rechnet den monatlichen Arbeitslohn auf das gesamte Jahr hoch. 

 

2.000 € x 12 Monate = 24.000 €

 

Für diese 24.000 € sind jährlich ca. 2.280 € Lohnsteuer abzuführen. Das entspricht monatlich 190 €.

 

Ab Oktober sind monatlich ca. 431 € Lohnsteuer abzuführen. Denn der Arbeitgeber muss nun von einem Jahreseinkommen von 36.000 € ausgehen.

 

3.000 € x 12 Monate = 36.000 €

 

 

monatlicher Bruttolohn

Lohnsteuer

Januar

2.000 €

190 €

Februar

2.000 €

190 €

März

2.000 €

190 €

April

2.000 €

190 €

Mai

2.000 €

190 €

Juni

2.000 €

190 €

Juli

2.000 €

190 €

August

2.000 €

190 €

September

2.000 €

190 €

Oktober

3.000 €

431 €

November

3.000 €

431 €

Dezember

3.000 €

431 €

gesamt

27.000 €

3.006 €

 

Tatsächlich hat der Arbeitnehmer aber nur 27.000 € in dem gesamten Jahr verdient. Hätte er also bereits ab Januar eine Gehaltserhöhung von 225 € bekommen, hätte er ebenfalls im gesamten Jahr 27.000 € verdient. Es wäre aber etwas weniger Lohnsteuer abgeführt worden.

 

Januar

2.225 €

241 €

Februar

2.225 €

241 €

März

2.225 €

241 €

April

2.225 €

241 €

Mai

2.225 €

241 €

Juni

2.225 €

241 €

Juli

2.225 €

241 €

August

2.225 €

241 €

September

2.225 €

241 €

Oktober

2.225 €

241 €

November

2.225 €

241 €

Dezember

2.225 €

241 €

gesamt

27.000 €

2.892 €

 

Diese Differenz (3.006 € - 2.892 € = 114 €) gleicht der Arbeitgeber durch den Lohnsteuerjahresausgleich aus.

Das gleiche passiert, wenn der Arbeitnehmer z.B. Urlaubs und Weihnachtsgeld bekommt.

 

 

Wann darf kein Lohnsteuerjahresausgleich stattfinden?

 

Wird ein Arbeitnehmer im laufenden Jahr eingestellt oder entlassen, tritt der oben beschriebene Effekt ebenfalls ein.

 

Beispiel: Der Arbeitnehmer wird am 1.12. eingestellt und bekommt monatlich 3.000 €. Vorher war der Arbeitnehmer arbeitslos.
Der Arbeitgeber muss bei 3.000 € trotzdem von einem jährlichen Bruttoarbeitslohn von 36.000 € ausgehen - obwohl bekannt ist, dass dieser Wert nicht stimmt.

 

Er führt deshalb für den Dezember an Lohnsteuern 431 € ab. Der tatsächliche Bruttojahreslohn berträgt aber nur 3.000 € - wodurch gar keine Lohnsteuer abzuführen wären. Ein Lohnsteuerjahresausgleich darf trotzdem nicht durchgeführt werden.

 

Ebenfalls ist der Lohnsteuerjahresausgleich nicht möglich, wenn z. B. die Steuerklassen 4 mit Faktor, 5 oder 6 gewählt worden sind oder einen Freibetrag beantrag wurde. Auch ist der Lohnsteuerjahresausgleich nicht möglich, wenn zeitweise die Lohnsteuerklasse 2, 3 oder 4 ohne Faktor vorgelegen haben und dadurch schwankende Lohnsteuern abgeführt wurden.

 

In all diesen Fällen, kann die zu viel gezahlte Lohnsteuer nur durch eine Einkommensteuererklärung vom Finanzamt erstatte werden.

 

Achtung: Auch wenn der Arbeitgeber einen Lohnsteuerjahresausgleich durchgeführt hat, lohnt sich in vielen Fällen zusätzlich eine Einkommensteuererklärung abzugeben. Denn hohe Werbungskosten - wie z. B. Fahrtkosten, Sonderausgaben und außergewöhnliche Belastungen können zu einer Steuererstattung führen.  

 

Gesetzesgrundlage: § 42b (1) EStG

 

Rechtsstand: 17.112017

 

 

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