Faktorverfahren (Lohnsteuerklasse 4)

 

Bei dem Faktorverfahren wird in den Lohnsteuermerkmalen (früher Lohnsteuerkarte), vom Finanzamt ein Faktor festgelegt. Dadurch ist weniger Lohnsteuer (voraus) zu zahlen.
 

Wer kann den Faktor beantragen?

Dieser Faktor kann nur von Eheleuten eingetragen werden, die die Lohnsteuerklasse 4 gewählt haben.

 

Wie sieht der Faktor aus?

Der Faktor ist eine Zahl (immer Null) mit 4 Kommastellen. Beispiel 0,7500. Die Zahl zeigt, wie viel Lohnsteuern abzuführen sind. Je kleiner die Zahl ist, umso geringer ist die Lohnsteuer.

Beispiel: Faktor 0,7500
Der Arbeitgeber zieht in diesem Fall nur 75 % der der üblichen Lohnsteuer ab.

 

Wie wird der Faktor ermittelt?

Der Faktor wird vom Finanzamt ermittelt. Die Grundlage ist die Einkommensteuer des Vorjahres und weitere Faktoren, wie z. B. die Gehaltsentwicklung und auch, warum in den Vorjahren eine Steuererstattung entstanden ist.

 

Das Finanzamt prüft, ob in dem Jahr in dem der Faktor gelten soll, wieder eine Steuererstattung zu erwarten ist und schätzt, wie hoch diese Steuererstattung sein wird.
Deshalb wirken sich einmalige hohe Werbungskosten oder außergewöhnliche Belastungen nicht auf den Faktor aus, weil diese sich im Folgejahr nicht wiederholen werden.

 

Beispiel 1: Im Jahr 2017 hatte der Ehemann eine Weiterbildung zum Industriemeister erfolgreich abgeschlossen. Die hohen Kosten (15.000 €) hat er allein getragen. Deshalb erhält das Ehepaar eine Steuererstattung, weil diese Kosten als Werbungskosten abgezogen wurden.

 

Lohnsteuer wurden in Höhe von 8.000 € vorausgezahlt. Die Steuererstattung lag bei 4.000 €.
Damit würde sich eigentlich ein Faktor von 0,5000 ergeben. Aber: Im Folgejahr werden diese hohen Werbungskosten nicht wieder entstehen. Deshalb wird das Finanzamt bei der Faktorberechnung diese Kosten gar nicht berücksichtigen. Diese Werbungskosten haben also keine Auswirkung auf den Faktor.
 

Beispiel 2: Die Ehefrau fährt täglich 50 km zu ihrem Arbeitsplatz. Die Kosten von 3.450 €, werden in der Einkommensteuererklärung als Werbungskosten anerkannt (Pendlerpauschale).
Da auch zukünftig diese Kosten entstehen werden, wirken sich diese Kosten auf den zukünftigen Faktor aus.

 

Wann wird ein Faktor eingetragen? 

Das Finanzamt trägt den Faktor nur ein, wenn die Eheleute einen Antrag stellen. Das ist der gleiche Antrag der auch gestellt wird, wenn ein Lohnsteuerklassenwechsel beantragt wird.

 

Vor- und Nachteile des Faktors?

Da der Arbeitgeber weniger Lohnsteuer an das Finanzamt abführt, erhält der Arbeitnehmer mehr Gehalt ausgezahlt (Nettogehalt).

 

Nachteilig ist aber, dass Eheleute die den Faktor beantragt haben, immer auch eine Einkommensteuererklärung abgeben müssen.

 

Hinweis: Ehepartner mit der Lohnsteuerklasse 4 / 4 und ohne Faktor, müssen keine Einkommensteuererklärung einreichen, wenn keine anderen Einkünfte vorhanden sind, außer denen, die sie aus ihren Arbeitsverhältnissen haben.

 

Der Faktor hat immer den Nachteil, dass es zu einer Steuernachzahlung kommen kann. Ist der Faktor nämlich zu niedrig berechnet worden, wurde auch zu wenig Lohnsteuer gezahlt.

 

Achtung: Weder durch den Faktor, noch durch die Wahl einer anderen Lohnsteuerklasse lassen sich Steuern sparen. Die Lohnsteuer ist immer nur eine Vorauszahlung der Einkommensteuer. Wird weniger Lohnsteuer vorausgezahlt als tatsächlich Einkommensteuer zu zahlen ist, ist immer auch eine Einkommensteuererklärung abzugeben und es sind Steuern nachzuzahlen.

 

Woher weiß der Arbeitgeber, wie hoch der Faktor ist?

Der Arbeitgeber muss alle Lohnsteuermerkmale jeden Monat über das Internet vor der Lohnabrechnung abrufen. Das geht über ELStAM (Elektronische LohnSteuerAbzugsMerkmale).
Damit weiß der Arbeitgeber automatisch von dem Faktor und auch, ob sich die Lohnsteuerklasse geändert hat.

Hinweis: Änderungen sind erst im Folgemonat nach dem Wechsel zu berücksichtigen. Wer also am 2.2.2018 eine Änderung beantragt, bekommt im Monat Februar 2018 noch das alte Nettogehalt ausgezahlt.

 

Stand: 01.12.2017

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